Wasserleitung Durchmesser: 16 mm vs. 20 mm im Überblick

Beim Neubau oder bei der Sanierung entscheidet der richtige Rohrdurchmesser über Komfort, Hygiene und Kosten. 16 mm wirken schlank und günstig. 20 mm versprechen Reserven und weniger Druckverluste. Doch zu groß ist nicht automatisch besser. Größere Leitungen kosten mehr. Sie brauchen Platz und erhöhen Wärmeverluste. Warmwasser kann träge werden. Die Normen DIN EN 806-3 und DIN 1988-300 geben den Rahmen vor. Mit der vereinfachten Berechnung für Wohngebäude bis sechs Wohneinheiten finden Sie schnell die passende Größe.

Wasserleitung Durchmesser: 16 mm vs. 20 mm im Überblick
Wasserleitung Durchmesser: 16 mm vs. 20 mm im Überblick

Das Wichtigste in Kürze

  • 16 mm reicht oft für Normal-Installationen, wenn LU-Summe und Einzelwerte passen.
  • 20 mm ist sinnvoll bei höherer Gesamtlast, großen Einzelabnahmen oder längeren Teilstrecken.
  • DIN EN 806-3 erlaubt die vereinfachte Berechnung bis sechs Wohnungen.
  • DIN 1988-300 gilt für komplexe oder zirkulierende Systeme und erfordert Fachplanung.
  • Materialwahl beeinflusst zulässige LU-Grenzen und Längen stark.

Welche Wasserleitung ist besser: 16 mm oder 20 mm?

Es kommt auf Belastungswerte (LU), Material, Leitungslängen und die einschlägige DIN an; 16 mm genügt häufig, 20 mm ist bei höherer Gesamt- oder Einzelbelastung sowie bestimmten Materialien und Längen die sichere Wahl.

Warum der Durchmesser zählt: 16 mm vs. 20 mm im Überblick

Der Durchmesser steuert, wie viel Wasser gleichzeitig fließen kann. Ein kleineres Rohr erhöht die Strömungsgeschwindigkeit. Dadurch steigen Reibungsverluste und der verfügbare Druck sinkt. Ein größeres Rohr reduziert die Fließgeschwindigkeit. So bleiben Druckreserven, aber das Wasservolumen in der Leitung wächst. Bei Warmwasser verlängert das die Anlaufzeit.

Die Folge ist gefühlte Trägheit am Zapfhahn. Zudem nimmt der Wärmeverlust mit größerem Volumen zu. Das kostet Energie. Größere Rohre beanspruchen außerdem mehr Platz. Das kann die Montage erschweren. Und natürlich steigen Material- und Installationskosten. Deshalb ist „größer“ nicht pauschal besser. Ziel ist ein Innendurchmesser, der Spitzenlasten deckt. Und der gleichzeitig hygiene- und energieeffizient bleibt. Genau hier helfen die Normen und LU-Werte.

Unterschied Außendurchmesser (AD) und Innendurchmesser (ID)

Für Installateure und Heimwerker ist die klare Unterscheidung zwischen Außendurchmesser (AD) und Innendurchmesser (ID) fundamental für die Auswahl der richtigen Wasserleitung. Während der Außendurchmesser (z.B. 16 mm oder 20 mm) maßgeblich für die Auswahl passender Fittings (Verbindungsteile) ist, bestimmt der Innendurchmesser den tatsächlichen Strömungsquerschnitt und somit die Leistung der Leitung.

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Bei Rohren mit dicker Wandstärke, wie Mehrschichtverbundrohren, reduziert sich der effektive Wasserleitung Durchmesser (ID) bei gleichem AD signifikant. Die in Normen verwendete Nennweite (DN) bezieht sich immer auf den ungefähren Innendurchmesser, der den hydraulischen Widerstand der Leitung maßgeblich beeinflusst.

Gegenüberstellung Trinkwasser- vs. Abwasser-Durchmesser

Trinkwasserleitungen (Zuleitungen) und Abwasserleitungen (Ableitungen) unterscheiden sich nicht nur in Material und Verwendungszweck, sondern auch dramatisch im Durchmesser. Trinkwasserleitungen sind Druckleitungen mit kleinen Nennweiten (z.B. DN 15 bis DN 25), deren Durchmesser den Druck und Durchfluss sichern muss.

Abwasserleitungen sind hingegen drucklose Freispiegelleitungen mit großen Durchmessern (z.B. DN 50 bis DN 110), die primär Schwerkraft und Gefälle nutzen. Insbesondere der Anschluss für Toiletten erfordert mit DN 100 (oder DN 110) einen sehr großen Wasserleitung Durchmesser, um den zuverlässigen Abtransport von Feststoffen zu gewährleisten und Verstopfungen vorzubeugen.

DIN EN 806-3: Das vereinfachte Verfahren in der Praxis

Die DIN EN 806-3 gilt für Normal-Installationen. Sie adressiert Wohngebäude bis zu sechs Wohnungen. Sie vereinfacht die Dimensionierung spürbar. Im Kern steht ein Mindestversorgungsdruck. Zudem soll Hygiene sichergestellt werden. Dauerverbraucher über 15 Minuten sind dabei ausgeschlossen. Auch übermäßige Spitzen sind nicht abgebildet. Das Verfahren arbeitet mit Belastungswerten.

Diese heißen LU und stehen für typische Nutzungen. Ein LU entspricht 0,1 l/s. Die Armaturen erhalten feste LU-Werte. Danach werden Teilstrecken aufsummiert. So entsteht die maßgebliche LU-Summe je Abschnitt. Anschließend wird der Innendurchmesser gewählt. Er richtet sich nach Material und LU-Grenzen. Für viele Wohnhäuser reicht diese Methode völlig aus. Sie ist transparent. Und sie führt schnell zu belastbaren Ergebnissen.

Belastungswerte (LU) richtig addieren: so geht’s

Zuerst starten Sie an der entferntesten Entnahmestelle. Dort erfassen Sie den LU-Wert. Danach gehen Sie Richtung Einspeisung vor. Auf jeder Teilstrecke addieren Sie die hinter den Knoten liegenden LU. So wächst die Summenlast Abschnitt für Abschnitt. Wichtig ist auch der größte Einzelwert.

Er zeigt, wie groß eine einzelne Abnahme sein kann. Beide Werte steuern die Dimension. So bleibt die Anlage druckstabil. Und gleichzeitig wirtschaftlich. Denken Sie an praxisübliche Zapfstellen. Bad, Küche und Außenhahn ergeben schnell höhere Summen. Prüfen Sie am Ende jeden Abschnitt. Stimmen LU-Summe und maximaler Einzelwert mit dem Materialfenster überein? Dann passt der Durchmesser. Falls nicht, wählen Sie die nächsthöhere Größe. So vermeiden Sie Engpässe. Und Sie sichern Komfort im Alltag.

Tabelle: Typische LU-Werte pro Entnahmestelle

Entnahmestelle LU
Waschtisch / Handwaschbecken 1
WC-Spülung 1
Duschbrause 2
Küchenspüle 2
Waschmaschine 2
Geschirrspüler 2
Außen- oder Garagenzapfstelle 5

Materialwahl und Längenbegrenzungen

Das Material ändert die zulässigen LU-Grenzen. Feuerverzinkter Stahl ist hier strenger. Bei 16 mm sind bis 6 LU erlaubt. Der größte Einzelwert darf 4 LU betragen. Und die Teilstrecke darf 10 m nicht überschreiten. Das ist wichtig bei längeren Leitungswegen. Bei 20 mm steigt die Gesamtlast auf 16 LU. Der größte Einzelwert darf 15 LU erreichen. Doch hier begrenzt die Norm 6 m Länge. Kupfer ist flexibler bei Längen.

Eine pauschale Maximallänge gibt es nicht. 16 mm Kupfer erlaubt bis 10 LU Gesamtlast. Der maximale Einzelwert liegt bei 5 LU. 20 mm Kupfer schafft 20 LU gesamt. Und 8 LU als Einzelwert. Nicht rostender Edelstahl liegt ähnlich. Andere Werkstoffe können höher liegen. In der Praxis ist Kupfer häufig die beste Wahl. Es verbindet Reserven mit gutem Handling.

Tabelle: Zulässige Lastbereiche nach Material (Auszug)

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Material DN (inn.) Max. Gesamt-LU Max. Einzel-LU Längenhinweis
Stahl, feuerverzinkt 16 mm 6 4 ≤ 10 m
Stahl, feuerverzinkt 20 mm 16 15 ≤ 6 m
Kupfer 16 mm 10 5 keine pauschale Maximallänge
Kupfer 20 mm 20 8 keine pauschale Maximallänge
Nicht rostender Edelstahl 16–20 mm ~ wie Kupfer ~ wie Kupfer je nach System

Praxisbeispiel Bungalow: Schritt für Schritt gerechnet

Stellen Sie sich ein Bad mit drei Entnahmestellen vor. Es gibt eine WC-Spülung. Ein Handwaschbecken. Und eine Duschbrause. Davor liegt die Küche. Dort sind eine Waschmaschine und eine Küchenspüle angeschlossen. Die Entnahmestellen liegen vereinfacht in Reihe. Das ist didaktisch, aber untypisch. Start ist an der Duschbrause. Richtung WC bleibt 1 LU übrig.

Das entspricht nur der WC-Spülung. 10 mm Kupfer würde hier reichen. Zwischen Handwaschbecken und Dusche addieren sich 1 LU und 1 LU. So entstehen 2 LU. Auch das wäre mit 10 mm abdeckbar. Richtung Hauseintritt wächst die Summe weiter. Insgesamt ergeben sich 8 LU. Der höchste Einzelwert beträgt 2 LU. Damit ist 16 mm Kupfer am Hauseintritt ausreichend. Kommt nun ein Außenhahn hinzu, steigt die Summe. Es werden 13 LU gesamt und 5 LU einzeln. Dann ist 20 mm am Hauseintritt angezeigt. So bleibt der Druck komfortabel.

Tabelle: Beispielhafte LU-Akkumulation

Abschnitt Summen-LU Größter Einzel-LU Erforderlicher Innendurchmesser*
Dusche → WC 1 1 10 mm Cu
Handwaschbecken → Dusche 2 1 10 mm Cu
Küche + Bad gesamt 8 2 16 mm Cu
Plus Außenentnahme 13 5 20 mm Cu am Hauseintritt

*Bezug: vereinfachte Betrachtung nach DIN EN 806-3 und Materialgrenzen.

„Lieber größer?“ – Vor- und Nachteile richtig abwägen

Der Gedanke „größer ist sicherer“ ist verbreitet. Er stimmt aber nur teilweise. Größere Leitungen erhöhen das eingeschlossene Volumen. Warmwasser braucht dadurch länger. Nutzer empfinden das als träge. Gleichzeitig steigen Wärmeverluste. Das treibt Energiekosten. Zudem kostet größeres Material mehr. Montagewege müssen breiter geplant werden.

Das kann baulich limitierend sein. Umgekehrt bieten größere Rohre Reserven. Sie puffern gleichzeitige Zapfungen. Und sie senken Strömungsgeschwindigkeiten. Das reduziert Geräusche. Es verringert auch Rohrreibungsverluste. Die Lösung liegt im Ausgleich. Dimensionieren Sie so groß wie nötig. Und so schlank wie möglich. Genau dafür sind LU-Summen und Materialfenster gedacht. So sichern Sie Komfort, Hygiene und Wirtschaftlichkeit.

Wann gilt DIN 1988-300 – und warum dann der Profi ran muss

Manche Anlagen sprengen das vereinfachte Schema. Das gilt bei Zirkulationen. Das gilt bei mehr als sechs Wohnungen. Und bei großen, verzweigten Netzen. Dann greift die DIN 1988-300. Sie ist deutlich komplexer. Zuerst werden die Entnahmedurchflüsse ermittelt. Danach entstehen Summendurchflüsse je Abschnitt. Anschließend wird der Spitzendurchfluss berechnet. Parallel wird das Rohrreibungsdruckgefälle bestimmt. Das erfolgt für alle möglichen Fließwege.

Der ungünstigste Weg wird zuerst dimensioniert. Danach folgen die nächstungünstigen Wege. Das wiederholt man, bis alle Teilstrecken passen. Diese Berechnung verlangt Erfahrung. Sie braucht verlässliche Eingangsdaten. Und sie benötigt Systemverständnis. Deshalb sollte sie Fachbetrieben überlassen werden. So bleiben Normkonformität und Betriebssicherheit gewahrt.

Fazit

Die Wahl zwischen 16 mm und 20 mm ist keine Bauchentscheidung. Sie folgt LU-Summen, Einzelwerten, Materialien und Längen. Für viele Einfamilienhäuser reichen 16 mm, sofern die Grenzen eingehalten werden. 20 mm sind sinnvoll, wenn Summenlasten, Außenentnahmen oder Materialien es erfordern. Die DIN EN 806-3 führt pragmatisch zum Ziel. Für komplexe oder zirkulierende Anlagen gilt DIN 1988-300. Planen Sie smart, sparen Sie Energie und sichern Sie Komfort.


FAQ

Was ist der Unterschied zwischen DN und dem Durchmesser in Millimetern?

Die Abkürzung DN (Nennweite) ist eine genormte Größe, die den ungefähren Innendurchmesser einer Wasserleitung angibt und als standardisierte Planungsreferenz dient. Der tatsächliche Durchmesser in Millimetern weicht je nach Material und Wandstärke leicht vom DN-Wert ab und bestimmt den genauen Querschnitt.

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Welchen Wasserleitung Durchmesser benötige ich für eine Standard-Wohnung?

Für die zentrale Versorgung einer Standardwohnung sind Wasserleitung Durchmesser von DN 20 (Kaltwasser) und DN 16 (Warmwasser) gängige und oft ausreichende Dimensionen. Die Abgänge zu einzelnen Armaturen wie Waschbecken und Spülmaschine werden mit kleineren Nennweiten wie DN 10 oder DN 13 ausgeführt.

Wie wird der richtige Wasserleitung Durchmesser berechnet?

Der korrekte Durchmesser wird nach dem vereinfachten Verfahren der DIN EN 806-3 anhand der sogenannten Belastungseinheiten (LU) aller Entnahmestellen ermittelt. Dieses Verfahren garantiert, dass der notwendige Spitzenvolumenstrom und ein ausreichender Fließdruck bei gleichzeitiger Nutzung sichergestellt sind.

Welche Durchmesser sind für die Zuleitung von Kalt- und Warmwasser üblich?

Die Kaltwasserzuleitung in einem Einfamilienhaus liegt häufig bei DN 20 (ca. 20 mm Innendurchmesser), während die Warmwasserleitung in der Regel einen etwas geringeren Durchmesser von DN 16 aufweist. Bei Mehrfamilienhäusern müssen die Hauptsteigleitungen aufgrund des höheren Gleichzeitigkeitsfaktors deutlich größer, zum Beispiel mit DN 25 oder mehr, dimensioniert werden.

Welche Rolle spielt der Außendurchmesser (AD) beim Kauf von Rohren?

Der Außendurchmesser ist entscheidend für die Auswahl der passenden Fittings (Verbinder) und wird oft direkt auf dem Rohr in Millimetern angegeben. Um den für den Durchfluss wichtigen Innendurchmesser zu bestimmen, muss die doppelte Wandstärke des Rohres vom Außendurchmesser abgezogen werden.

Ändert sich der erforderliche Durchmesser bei Mehrfamilienhäusern?

Ja, der Wasserleitung Durchmesser der zentralen Steigleitungen muss mit zunehmender Wohnungsanzahl deutlich vergrößert werden, um den potenziell höheren gleichzeitigen Wasserbedarf abzudecken. Oftmals sind hier Hauptleitungen mit DN 25 oder DN 32 für die Kaltwasserversorgung notwendig, um Druckabfälle zu vermeiden.

Was passiert, wenn der Wasserleitung Durchmesser zu klein gewählt wird?

Ein zu kleiner Durchmesser führt zu einem erhöhten Strömungswiderstand, was sich in einem spürbaren Druckabfall an den Zapfstellen äußert, wenn mehrere Armaturen gleichzeitig bedient werden. Dies kann die Funktion von Geräten wie der Waschmaschine oder modernen Duschsystemen stark beeinträchtigen.

Warum sind Abwasserleitungen viel dicker als Trinkwasserleitungen?

Abwasserleitungen sind Freispiegelleitungen (ohne Druck) und benötigen einen großen Querschnitt (z.B. DN 110), um neben Schmutzwasser auch Feststoffe sicher abführen zu können. Der große Durchmesser in Kombination mit dem notwendigen Gefälle verhindert Verstopfungen, was bei dünnen Trinkwasserleitungen nicht möglich wäre.

Welchen Mindest-Innendurchmesser brauchen Dusche und Badewanne?

Eine Badewanne erfordert für eine akzeptable Füllzeit einen Wasserleitung Durchmesser von mindestens DN 15 oder sogar DN 20, um einen hohen Durchfluss zu gewährleisten. Eine normale Dusche kommt in der Regel mit DN 15 aus, wobei moderne Regenduschen eventuell DN 20 erfordern können.

Hat das Material der Wasserleitung Einfluss auf den benötigten Durchmesser?

Indirekt ja, da verschiedene Materialien (Kupfer, Kunststoff, Mehrschichtverbundrohr) unterschiedliche Wandstärken bei gleichem Außendurchmesser aufweisen und somit der Innendurchmesser variiert. Zudem beeinflusst die innere Oberflächenrauheit des Materials den Strömungswiderstand, was bei der finalen Dimensionierung berücksichtigt wird.

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